Zertifiziertes Diabeteszentrum DDG
Diabetes Schwerpunktpraxis KVSH · Diabetes Schulungszentrum
Leitende Fußambulanz des Fußnetzes Schleswig-Holstein Nord
Dr. med. Burghoff • D. v. Carnap-Bornheim • Dr. med. Lammerskitten • Dr. med. Erben

DEFINITION & TYPEN

Diabetes mellitus (griechisch = „honigsüßer Durchfluss“) ist eine häufige Stoffwechselerkrankung und wird auch als Zuckerkrankheit bezeichnet.

Zur Zeit sind in Deutschland etwa 10% der Menschen von der Erkrankung betroffen, Tendenz hier und weltweit steigend. Die Ursachen, die zur Erkrankung führen, und der individuelle Verlauf sind je nach Diabetestyp unterschiedlich.

Kernproblem ist die Verarbeitung von wichtigen Nährstoffanteilen, den Kohlenhydraten (v.a. Zucker und Stärke). Die lebenswichtige Aufgabe des Insulins ist es, dafür zu sorgen, dass mit der Nahrung aufgenommene Kohlenhydrate aus dem Blut in die Zellen des Körpers geschleust werden. Die Kohlenhydrate sind die Hauptenergiequelle für die Körperzellen, denn sie werden zu Einfach-Zucker (Glukose) abgebaut. Ohne Glukose fällt es der Zelle schwer, ihre normale Funktion aufrecht zu erhalten. Können Kohlenhydrate nicht in die Zelle gelangen, kommt es zu erhöhten Zuckerwerten in der Blutbahn ( = Hyperglykämie). Starke Erhöhungen können Beschwerden wie starkes Durstgefühl, häufiges und vermehrtes Wasserlassen, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Infektneigung und Sehstörungen verursachen. 

Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte verursachen möglicherweise Folgeschäden an den kleinen Gefäßen der Augen, Nerven und Nieren. Man spricht auch von Spätschäden, weil sie erst nach Jahren auftreten. Dies kann durch rechtzeitige und regelmäßige gute Behandlung verzögert oder verhindert werden.


Diabetes Mellitus Typ 1

Der Diabetes Typ 1 tritt meist erstmalig im Kindesalter oder bei Jugendlichen und  jüngeren Erwachsenen auf. Die Ursachen für die Entstehung des klassischen Typ 1 sind trotz viel Forschung nicht wirklich geklärt. Es kommt über einen sogenannten Autoimmunprozess dazu, dass der Körper seine insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. 

Als lebenslange, medikamentöse Therapie steht ausschließlich Insulin zur Verfügung.  Nur in seltenen Ausnahmefällen ist eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse – in der Regel in Kombination mit einer Nierentransplantation – möglich.

Der Diabetes Typ 1 schließt die seltene Form des LADA-Diabetes ein (LADA = Latent Autoimmune Diabetes in Adults). Betroffen sind eher Erwachsene, über Monate bis Jahre kann eine eigene Insulinproduktion erhalten bleiben, die anfangs eine Therapie mit Tabletten ermöglicht. In der Regel wird im Verlauf die Insulintherapie notwendig.


Diabetes Mellitus Typ 2 „Altersdiabetes“

Bei der häufigsten Form, dem sogenannten Diabetes mellitus Typ 2, ist im Wesentlichen das Ansprechen auf das selbst produzierte Insulin vermindert. Als Ursache findet sich häufig eine Veranlagung in der Familie, hinzu kommen Probleme, die sich aus unserem heutigen Lebensstil ergeben – Bewegungsmangel und hochkalorische Ernährung, manchmal auch bestimmte Medikamente.

Der Diabetes mellitus Typ 2 ist häufig mit Merkmalen des sogenannten Metabolischen Syndroms vergesellschaftet, vor allem mit einem therapiebedürftigen Bluthochdruck, mit Übergewicht und einer Fettstoffwechselstörung.

Diese Form des Diabetes lässt sich in der Regel mit Ernährungsumstellung und Bewegung sowie mit Tabletten behandeln. Es kann im Verlauf auch eine Insulintherapie erforderlich werden.

Die Therapieeinstellung erfordert zunächst eine individuell auf die Therapie zugeschnittene Schulung, die genauer unter dem Menüpunkt Schulungen & Veranstaltung erklärt werden.


Schwangerschaftsdiabetes / Gestationsdiabetes

Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ist eine Diabeteserkrankung, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt. Durch verbesserte Diagnostik und Schulung bzw. Therapie kann die Erkrankung heute früh entdeckt und meistens sehr gut behandelt werden. Ungünstige Verläufe von Schwangerschaften können dadurch verhindert oder abgemildert werden. In Deutschland tritt der Schwangerschaftsdiabetes in knapp 5% der Schwangerschaften auf. 

Nach einem Schwangerschaftsdiabetes entwickeln 35 – 60 % der Frauen innerhalb von 10 Jahren eine Diabeteserkrankung, dies ist der Grund für die Wiederholung des 75g-Zuckertest 8-12 Wochen nach Entbindung. 

Davon zu unterscheiden sind Frauen, die schon vor der Schwangerschaft eine Diabeteserkrankung hatten und schwanger werden. Gelegentlich fällt diese vorbestehende Erkrankung erst im Rahmen der Hormonveränderungen einer Schwangerschaft auf.


Andere und seltene Diabetesformen

Eine weitere seltene Ursache kann der Verlust der Bauchspeicheldrüse durch Entzündung oder Operation sein (= Diabetes mellitus Typ 3).  Hier entspricht der Krankheitsverlauf häufig dem des Diabetes mellitus Typ 1.

Es gibt auch angeborene Diabetesformen, die unter dem Begriff MODY ( = Maturity Onset Diabetes of the Young) zusammengefasst werden. Bis jetzt sind elf Formen des MODY-Diabetes beschrieben worden. Dem zugrunde liegen angeborene Veränderungen in verschiedenen Genen des Zuckerstoffwechsels.

Darüber hinaus gibt es noch seltene Ursachen für einen Diabetes, wie Medikamente oder Chemikalien, Hormondrüsenerkrankungen, Infektionen und andere chronischen Erkrankungen.